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Controlling

Die CHF 20'000-Entscheidung, die viele Restaurants übersehen

In der Gastronomie wird viel über die grossen Themen diskutiert: steigende Energiepreise, Personalmangel, Konzeptinnovationen, neue Technologien. Diese Themen sind relevant — aber sie lenken oft den Blick von etwas ab, das genauso wichtig ist und viel konkreter angegangen werden kann: den kleinen Entscheidungen im Alltag, die sich Woche für Woche summieren und am Jahresende einen Unterschied von CHF 20’000 oder mehr ausmachen können.

Ein Franken mehr Umsatz pro Gast. Ein Franken weniger Wareneinsatz. Ein zusätzlicher Gast pro Tag. Auf den ersten Blick klingen diese Veränderungen fast bedeutungslos. Hochgerechnet auf 365 Tage entstehen daraus Beträge, die den Unterschied zwischen einem profitablen und einem defizitären Betrieb ausmachen können.

Der unterschätzte 1-Franken-Effekt beim Umsatz

Stell dir einen durchschnittlichen Gastronomiebetrieb vor: 40 Gäste pro Tag, offene Tage 365 Tage im Jahr, durchschnittlicher Bon von CHF 28. Wenn es gelingt, den Umsatz pro Gast um nur einen Franken zu erhöhen — einen einzigen Franken — entsteht folgende Rechnung:

40 Gäste × CHF 1 × 365 Tage = CHF 14’600 zusätzlicher Umsatz pro Jahr

Dieser eine Franken kann auf viele Arten entstehen. Ein Teil der Gäste bestellt zusätzlich einen Espresso nach dem Essen — CHF 4.50, aber im Durchschnitt über alle Gäste kaum spürbar. Ein Dessert, das aktiv empfohlen wird statt still auf der Karte zu stehen. Ein Glas Hauswein statt Mineralwasser.

Solche Zusatzverkäufe passieren in vielen Betrieben zufällig — wenn das Servicepersonal gut gelaunt ist, wenn der Abend gut läuft. Der Unterschied zwischen einem zufälligen und einem systematischen Ansatz ist genau dieser eine Franken pro Gast.

Wie der zusätzliche Franken entsteht — ohne Druck

Es geht nicht darum, Gäste zu drängen oder Zusatzverkäufe aggressiv zu betreiben. Es geht um aktive, ehrliche Empfehlungen — durch ein Servicepersonal, das die Karte kennt und weiss, welche Gerichte und Getränke beliebt sind. Die Frage «Darf es noch ein Dessert sein?» ist kein Verkaufsgespräch — sie ist Gastfreundschaft.

Kleine Einsparungen auf der Kostenseite — grosse Wirkung auf den Gewinn

Noch stärker wirkt derselbe Betrag auf der Kostenseite. Beim Umsatz wird ein zusätzlicher Franken zuerst durch Wareneinsatz, Personalkosten und andere variable Kosten geschmälert, bevor er beim Gewinn ankommt. Eine Kosteneinsparung von einem Franken pro Gast hingegen schlägt direkt auf den Gewinn durch.

40 Gäste × CHF 1 weniger Wareneinsatz × 365 Tage = CHF 14’600 mehr Gewinn pro Jahr

CHF 14’600 mehr Gewinn — ohne einen einzigen Franken mehr Umsatz zu machen. Das ist die Logik des Wareneinsatzes.

Wo diese Einsparungen entstehen — ohne Qualitätsverlust

Eine Kosteneinsparung von einem Franken pro Gast muss nicht bedeuten, dass die Qualität leidet. In den meisten Betrieben gibt es konkrete Hebel, die vollständig unabhängig von der Qualität sind:

  • Portionsgrössen standardisieren: Mit einer Waage und klaren Rezepturkarten. Zehn Gramm mehr Pasta pro Gericht klingen nach nichts — bei 80 Gerichten pro Tag und CHF 3 pro kg sind das CHF 876 pro Jahr.
  • Schnittverluste reduzieren: Bei Fleisch und Fisch entstehen durch unsachgemässe Verarbeitung oft 5–15 % mehr Verlust als nötig.
  • Einkauf optimieren: Wocheneinkauf statt Tageseinkauf ermöglicht Mengenrabatte. Typisches Einsparpotenzial: 3–5 % auf den Wareneinkauf.
  • Mise en place tracken: Was landet täglich unverwendet im Abfall? Wer diesen Wert kennt und systematisch reduziert, spart direkt am Wareneinsatz.
  • Saisonale Karte anpassen: Lokale Saisonware ist oft 20–40 % günstiger als importierte Ware ausserhalb der Saison — bei gleichzeitig besserer Qualität.

Der zusätzliche Gast pro Tag

Ein dritter Hebel ist verblüffend simpel: ein einziger zusätzlicher Gast pro Tag. Bei einem durchschnittlichen Bon von CHF 28 ergibt sich:

1 Gast × CHF 28 × 365 Tage = CHF 10’220 zusätzlicher Umsatz pro Jahr

Dieser eine zusätzliche Gast entsteht oft durch kleine Verbesserungen: eine klarere Menüstruktur, ein Tisch mehr auf der Terrasse, eine Reservierung die früher angenommen wurde, eine Google-Bewertung die einen Gast überzeugt hat.

Der grosse Hebel: alle drei zusammen

Stell dir vor, ein Betrieb setzt alle drei Massnahmen gleichzeitig um — nicht spektakulär, sondern pragmatisch und konsequent:

MassnahmeEffekt pro Jahr
CHF 1 mehr Umsatz pro Gast (40 Gäste/Tag)CHF 14’600 mehr Umsatz
CHF 1 weniger Wareneinsatz pro GastCHF 14’600 mehr Gewinn
1 zusätzlicher Gast pro Tag (CHF 28 Bon)CHF 10’220 mehr Umsatz
Total-EffektCHF 39’420 / Jahr

CHF 39’420 im Jahr. Aus drei Veränderungen, die einzeln kaum spürbar sind.

Die eigentliche Herausforderung: den richtigen Hebel finden

Die grösste Schwierigkeit liegt selten in der Bereitschaft zur Veränderung. Das Problem ist eine fundamentalere Frage: Wo genau soll man anfangen?

In einem typischen Betrieb gibt es dutzende mögliche Stellschrauben. Manche haben grossen Einfluss, manche fast keinen. Ohne Kennzahlen ist die Unterscheidung zwischen beiden fast unmöglich — man hofft, den richtigen Hebel erwischt zu haben. Mit Kennzahlen wird es zur Gewissheit.

Wenn ein Betrieb weiss, dass sein Wareneinsatz bei 33 % liegt — 3–5 Prozentpunkte über dem Branchenwert — dann ist der erste Hebel klar. Bei einem Monatsumsatz von CHF 50’000 bedeutet 3 % zu viel Wareneinsatz CHF 1’500 zu viel pro Monat — CHF 18’000 zu viel pro Jahr.

Fazit: Kleine Hebel, grosse Wirkung

Die Gastronomie ist ein Geschäft der kleinen Margen und der vielen Stellschrauben. Keine einzelne Massnahme verändert alles. Aber viele kleine Massnahmen, konsequent umgesetzt, können in der Summe einen grossen Unterschied machen — einen Unterschied von CHF 20’000 oder mehr pro Jahr.

Der entscheidende Schritt ist nicht, alles auf einmal zu ändern. Er ist zu wissen, wo die wirkungsvollsten Hebel liegen — und dort anzufangen.

«Nicht wer am meisten arbeitet, gewinnt. Sondern wer an den richtigen Stellschrauben dreht.»

Welche Kennzahlen dir zeigen, wo dein grösster Hebel liegt, erklärt Was ist Gastro Controlling?. GastroCost rechnet deinen Wareneinsatz pro Gericht automatisch nach, GastroControl zeigt die Wirkung auf den ganzen Betrieb. Wie beides zusammen sofort sichtbar wird, zeigt InsightHub: Wenn ein Beleg-Scan sofort deine Marge verändert.


Quellen: Gastrosuisse Branchenspiegel 2025, L-GAV Schweiz, KATAG Kennzahlen 2024